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Tassi – First class entertainment

20-25.11.

(26.11. Best Western Atlantis Hotel, Melbourne)
 

Der Flug nach Tasmanien war die Hölle. Die 737 hob schon stark schwankend in Melbourne ab, jagte dann auf 11.900 Meter (aus welchem Grund auch immer)  und ca. 10 Min. vor der eigentlichen Ankunftszeit fiel wohl auch dem Kapitän auf, dass dies verdammt hoch ist und wir langsam mal runter sollten. Sagte ich langsam? Mit affenartiger Geschwindigkeit zog unsere Maschine plötzlich nach unten. Auf der Landschaftsgrafik im Sitz-TV fielen wir ca. 100-200 Meter pro Sekunde und waren schon nach kaum mehr als einer Minute auf 4.000 Meter. Dann allerdings türmte sich vor bzw. unter uns eine gewaltige Wolkenwand auf. Wir streiften diese kurz und schon begann eine turbulente Achterbahnfahrt. Eine Stewardess legte sich aufgrund des plötzlichen Wegsackens lang, so etwas in der Art habe ich dann auch noch nicht gesehen. Der Flugzeugfahrer hatte ein Einsehen und zog wieder etwas hoch. Dann, fast über Hobart Flughafen wurde diese Wolkendecke endlich von einer dichten Dunstwand abgelöst. Die Maschine sackte sofort und anscheinend geplant ab und fiel innerhalb von knapp 15 Sekunden von 4.000 auf 1.000 Meter. Keine Frage, unser Pilot hatte es eilig!  Das sein heftiges Manöver allerdings nur Mithilfe der ausgeklappten Landeklappen ermöglicht wurde war für mich eine neue Erfahrung. Diesen fürchterlich lauten Heulton, den diese erzeugten habe ich so in einem Flugzeug noch nicht gehört. Außerdem schwankte die Maschine jetzt heftigst und als dann selbst der abgewichsteste Geschäftsmann schräg vor mir die Zeitung nervös einfaltete, merkte ich, dass dies zwar sicher noch im Rahmen war aber sich dich eher am Rande dessen befand, was man als Vielflieger so in der Luft geboten bekommt. Ein gewöhnlicher Landeanflug verhielt sich zu unseren Absackern und ruckartigen Gasgeben wie ein Gleiten mit einer S-Klasse über eine gerade frisch asphaltierte Autobahn zu einer Schotterpistenrallye mit großbereiften Geländetrucks. Ich habe meine Flugangst schon vor Jahren abgelegt, aber „cool“ sieht sicher anders aus. Ich transpirierte fröhlich in mein Taschenbuch und hätte sicher auch zum Glauben zurückgefunden, wenn wir nur noch fünf Minuten länger im Nebelkorridor geblieben wären. So aber ballerten wir mit einem unfeierlichen finalen Absacker auf die Landebahn und eine halbe Stunde später wankte ich noch zugedröhnt mit Adrenalin zu meinem Mietwagen, einem Toyota Geländewagen.

Mein Navi sagte mir, dass ich von der Südküste der Insel, wo ich mich befand, bis zum nächsten Nationalpark, die hier mehr oder weniger alle zum Weltnaturerbe gehören, ca. zwei Stunden brauchen würde. Ich übernachtete in einem Nest namens Leicester, spielte am morgen den lokalen 9-Loch-Kurs, einen beschaulichen Wald- und Wiesenplatz für umgerechnet 6,50€ Greenfee für eine Tageskarte und fuhr dann zum Cradle Mountain Nationalpark.

Da ich ja ohnehin am Tag ca. 8 Kilometer zu Fuß ging, wählte ich am Fuß des Cradle Mountain einen 15 Kilometer-Rundmarsch um einen See zu einen Pfad namens Snake Road über den Wombat Place zurück zum Auto. Eine Stunde später befand ich mich auf halber Höhe zum Gipfel auf einem unbeschreiblich schönen Bergpass zwischen zwei Bergseen, keine Menschenseele weit und breit und beobachtete ein Beuteltier, das aussah wie ein zu kleiner Wombat oder ein zu großes Murmeltier. Später erfuhr ich, dass es genau das war, ein Bergwombat. Beim Abstieg brach ich mir einige Male fast den Hals, sah unzählige Eidechsen, Mini-Drachen und stieß in einem Wald, der in jeglicher Hinsicht be-„zaubernd“ war auf den surrealsten gelben Langnasen-Igel den ich je gesehen hatte. Das Kerlchen grub blöd mit der Nasenschnauze im lockeren Waldmoos herum, torkelte dabei tapsig durch die Botanik, fiel zweimal über einen umgefallenen Baumstumpf, was ihn aber ebenso wenig störte wie den Golfpunk, der neben ihm hektisch die Kamera klicken ließ.

Völlig geplättet von der Golfrunde und dem Wandertag fiel ich in mein Auto und riss auch noch die 300 Kilometer über Serpentinenstraßen und schmale Motorways runter, um dann endlich kurz vor Lichtschluss in Barnbougle Golf Links anzukommen.

Barnbougle! Befindet sich am wahrhaftigen Anus der Welt, am äußersten Rand der Insel Tasmanien beim Örtchen Briport, das niemand kennen muss. Irgendwann hat der Golfarchitekt Tom Doak dieses Gelände zu Gesicht bekommen und daraufhin den Landwirt Richard Sattler von der Idee überzeugt, sein total unfruchtbares Sanddünengelände am einsamen tasmanischen Strand für einen Golfplatz zur Verfügung zu stellen. 2004 war der Platz fertiggestellt, 2007 wurde er schon auf der Top 100 der schönsten Plätze der Welt auf Platz 35 geführt bzw. auf Platz 7 der schönsten Public Courses der Welt.

 

 Und um es mal ganz klar zu sagen, wäre dieser Platz in St. Andrews, Monterey oder auch nur in Melbourne angesiedelt, er wäre locker in den Top 10. Ähnlich wie Kauri Cliffs in Neuseeland ist dieses Juwel einfach zu weit ab vom Schuss, um zu den ganz Großen zu gehören. Aber was für ein Platz! Links-Golf auf einem Niveau, das selbst Carnoustie, Kingsbarnes oder den St. Andrews Links Trust vor Neid erblassen lassen würde. Spielbahnen die aus rohster Sandmasse heraus gemeißelt wurden, Bunkerkanten von bis zu gemessenen 20 Metern Höhe, Grüns so schnell wie Eisflächen und so heftig onduliert wie Pamela Anderson im Bandeanzug. Holy Shit!

Mein sprichwörtliches Glück fügte es, dass ich auf der Driving Range eine Gruppe Australier aus Melbourne auftat, die eigentlich vier 4er-Flights für ihren Ausflug zusammengestellt hatten, aber ein Hoschi ist in letzter Sekunde abgesprungen. Also war ich nun der 16. Mann, wurde sofort adoptiert, mit Drinks versorgt zum Essen und am nächsten Tag erneut zum Spielen auf diesem Traumplatz eingeladen. Mit Liz Sattler (Tochter des Eigentümers) stellte sich mir dann auch die mit weitem Abstand attraktivste Clubmanagerin vor, die ich je kennen lernen durfte, natürlich hatte sie nichts dagegen, dass ich noch eine weitere Nacht umsonst im Resort übernachtete, es war ja gerade eine Stornierung für das eigentlich hoffnungslos überbuchte Barnbougle eingegangen und als sie mir den beeindruckenden Weinkeller zeigte, aus dem ich drei Flaschen auswählen sollte, um „with the boys“ einen zu trinken, wusste ich, das den Golfgöttern mein Artikel aus dem letzten Heft wohl echt gut gefallen haben muss. Das ist hier doch alles kein Zufall? Diese Typen aus Melbourne waren natürlich alle Mitglieder in Kingston Heath (Nr. 2 in Australien), Moonah Links (Nr. 4 in Aus) oder Royal Melbourne (Nr. 1 in Australien) und schlugen sofort vor, nach meiner Rückkehr nach Melbourne Golfrunden auf diesen Privatplätzen klarzumachen. Dann wurde ich auch noch dem Besitzer (!) eines der exklusivsten Golfplätze Irlands vorgestellt (hab mit den Namen nicht gemerkt, befindet sich aber in den Top 50 der besten Privat-Plätze der Welt), der mich natürlich auch gleich noch nach Irland einlud (lebte 20 Jahre in Karlsruhe als Generalvertreter für Miele und ist Mercedes Benz-Botschafter für Irland. Außerdem, wie man mir zuflüsterte, ein „freaking fuckin’ billionar“. Deshalb habe ich auch in diesen zwei unglaublichen Tagen nur eine Gesamtrechnung von 16 Euro gehabt (für die Rundenverpflegung und eine Pitchgabel).

Das diese Einladungen alles keine hohlen Worte waren bewiesen mir die E-Mails, die ich schon von den Herren erhalten habe bzw. die Einladungen zum Golf und Abendessen. Da ich mit Tony, meinem neuen Freund in einem Flight und im Team spielte, revanchierte ich mich bei der zweiten Runde mit vier Birdies, davon zwei auf den beiden Schlussbahnen bei krassem Gegenwind. Mein Spiel befand sich an diesem zweiten Tag auf dem absoluten Höhepunkt, ich spielte bei extremen Windbedingungen eine 82, dabei eine „3“ auf jedem Par 3-Loch und die besungenen vier Birdies. Außerdem verlor ich an den beiden Tagen keinen Ball, was Gruppenrekord war. Selbst der Pro (der aussah wie Phil Mickelson! Ich schwöeer!) meinte, „Barnbougles is a fuckin’ 12 ball course“. (Der einzige Ball, den ich hier verloren geben musste, war peinlicherweise ein getoppter Bunkerschlag aus dem Übungssandhindernis vor der ersten Runde).

Am nächsten Tag ging es über Hobart zurück nach Melbourne. Hier fand ich ein perfektes Best Western Hotel in der zentralen Innenstadt, kaufte mir Tickets für das Musical „Spamalot“ von Monty Python am Dienstag und gab mich am Sonntag dem Konsumrausch hin. Fuck you, deutsche Ladenöffnungszeiten!

Heute am Montag wurde ich wie erwähnt von Tony nach Kingston Heath eingeladen, um mit einigen Members ein Turnier zu spielen. Wie ich den Turniersieg an einem einzigen Loch verloren, mich aber trotzdem in bleibende Erinnerung gespielt habe lest ihr morgen oder am Mittwoch. Ich muss jetzt in die Heia, denn morgen, am Dienstag, warteten die Moonah Links und bis dahin sind es zwei Stunden Autofahrt.

See ya, gals ’n’mates!
 
 
26.11.07 11:54
 


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