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Montys Zerstörung & Fast and the Furious

Dubai + Sydney Ankunft

(Sydney , 13.11., 23.20, Best Western Motel, doch mit Umlauten)

Machen wir uns nix vor, der Flug von Deutschland nach Australien ist so unglaublich lang, dass man unbedingt einige Vorkehrung treffen sollte, um bei geistiger Gesundheit zu bleiben:

 

 

  1. Flieg auf keinen Fall den gesamte Weg am Stück
  2. Nimm niemals einen Nachtflug
  3. Wenn schon Holzklasse, dann auf keinen Fall Thai, British, Lufthansa oder Quantas (oder jede andere Fluglinie aus Emirates)
  4. Buche unbedingt einen Gangplatz oder wenn man einen Stelzenläufer (Hi Lele) dabei hat, dann unbedingt die Notausgangssitze anfragen(nach Möglichkeit nicht die neben den Toiletten)
 

 

Nach entspannten sechs Stunden kam ich gegen 23.30 abends in Dubai Airport an. Da ich die vorletzte Reihe im Flieger fast allein bevölkert hatte, kam ich auch dementsprechend spät aus dem Vogel raus und stolperte mitten rein in eine spontane internationale Völkerwanderung. Nicht vier, nicht acht, nein 12 Großraummaschinen warten zwischen halb und um Zwölf gelandet und bei der Passkontrolle bildeten sich so lange Schlangen vor den weiß einge“scheicht“en Kontrolleuren, dass die hinten stehenden Passagiere nur vom Hörensagen erfuhren, dass dies wirklich nur die Dokumentenabstempelstation sei und man hier nicht um Gratis-Hotelgutscheine im 7*-Burj-Al-Arab anstand.

Exakt 100 Minuten nach Landung gab es auch schon das Gepäck und ich war mir sicher, mein Hotelshuttle musste weg sein (natürlich wählte ich wie immer bei der Passkontrolle mit traumwandlerischer Sicherheit den Schalter, an dem der langsamste Grenzer im gesamten Mittleren Osten seinen Dienst verrichtete, denn sogar die gehbehinderte Dame die im Flieger zwei Plätze weiter saß überholte mich locker). Aber in der Eingangshalle schwenkte dann wirklich ein schnauzbärtiger Pakistani ein Schild mit meinem Namen und bat mich, doch noch fünf Minuten Geduld aufzubringen. Ich nahm zwischen einer Gruppe Ossis aus Dresden und Leipzig Platz, die mich darüber aufklärten, dass ihre „fünf Minuten Geduld“ nun schon über eine halbe Stunde andauerten. Mir war das jetzt auch egal. Ich war in Dubai, mein Gepäck auch, der Driverschaft war noch in einem Stück und als ich gerade am Eindösen war, vermeldete mein Fahrer seine Bereitschaft, mich und eine Gruppe Inder ins Coral Oriental Hotel zu fahren (falls jemand das Haus in der Top 10 der „Best Hotels in Dubai“ sucht, es befindet sich eher jenseits des Platzes 500).

Exakt um 2.23 öffnete ich die Zimmertür (Nr. 305) und nachdem ich die freudige Nachricht gen Heimat gefunkt hatte, schaltete ich wie immer im Hotel als erstes den Fernseher ein und zappte durch die Kanäle. „Arabische Tänze“, „Arabische Diskussionsrunde“, „Arabisches Wer wird Milliardär (Millionär sind hier in Dubai die meisten Einwohner eh schon)“ und dann plötzlich „ZDF Sportstudio“ exakt in der Sekunde, als die Bundesliga-Zusammenfassung begann. Was für ein perfektes Omen für meinen Trip? Dank dieses positiven Energieschubs konnte ich wenigstens halbwegs gefasst ertragen, wie Stuttgart meine Bayern abschoss. Aber mal ehrlich, wie hoch sind die Chancen, das so etwas passiert? Die ewige Warterei am Flughafen, ein x-beliebiges Mittelklasse-Hotel, genau ein deutscher Sender und diesen dann auf den Punkt eingeschaltet. Allah war mit mir, soviel stand fest. Allerdings nur bis 4.30 morgens.

„Mmmmmaaaalllllllaaaaaaahhmmmmaaaackbaaaahhrrrraaaaarrrrmaaaaalllllaaaaaaaaaaaaahhhhhhmackkbaaaarahhhharharharharhar...“

Der Muezzin stand quasi neben meinem Bett, das verdammte Minarett mit seinem 10.000 Watt Lautsprechern befand sich in Lobwedge-Reichweite auf der anderen Straßenseite und die Fenster waren so schalldicht wie zwei Lagen Butterbrotpapier. Immer und immer wieder tönte der Ruf an die frommen Moslems durch die Nacht. Meine innere Uhr war ja noch auf deutsche Winterzeit eingestellt, also gefühlte 01.30 und hätte ich einen Gürtel mit ein paar übrig gebliebenen Chinakrachern vom Vorjahr gehabt, ich wäre rübergegangen und hätte einen internationalen Zwischenfall provoziert.

Völlig gerädert (und eine weitere Gesangsnummer gegen 7.00 später) wankte ich zehn Minuten vor Schließung des Frühstücksbuffets in den Speisesaal. Nach der Begutachtung der spärlichen Überreste eines einstmalig sicher üppigen Angebotes packte ich meine Golfsachen und fuhr zum Montgomerie Golf Club ins neue Dubai (mein Hotel befand sich in der „Altstadt“, die Gebäude sind also älter als zehn Jahre...) um mitten in der Wüste einen Platz aus der Feder des sympathischen Golfpsychopathen aus Schottland, Colin „007 Iron“ „Monty“ Montgomerie zu spielen. Der Manager des Hotels hatte mich netterweise nach meiner aufdringlichen E-Mail zu einer kostenlosen Runde eingeladen und mir in der Nachricht versprochen, ich würde mit einem Member und seinen Gästen spielen. Der Member hieß Stefan aus Hamburg, ein Yuppie-Poser reinsten Wassers mit seiner Frau Mutter Maren und seinem Kumpel Siggi. Stefan und Siggi benahmen sich so inszeniert überzogen, dass ich anfangs kaum glauben konnte, zwei derartige Witzfiguren vor mir zu haben. Siggi belaberte mich bis ca. drei Löcher vor Schluss immerzu und penetrant in blassiertem Oxford-Englisch, obwohl er doch ursprünglich aus Essen kommt und Siggi warnte mich kumpel- und gönnerhaft vor den allzu lockeren Sprüchen der beiden Geldadeligen. Als Siggi dann nicht einmal den Satz „Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“ („Ein Huhn...findet...ein blindes...ach ne, wie war das?" auf die Reihe brachte und die beiden zudem Golf spielten wie mein Hund Blitzschach, war die Stunde des GolfPunks gekommen. Nach neun Loch lag ich vier Schläge über Par, was auf dem extrem hügeligen und mir völlig unbekannten Platz eine echte Meisterleistung war. Dementsprechend ruhig wurde es und ich inhalierte statt der lässig angebotenen Fruchtbowle lieber Bier. Dass dieses dynamische Duo die Drinks im Clubhaus würde zahlen müssen war klar, doch plötzlich schlug die aufgeblasene Stimmung um und vor allem Stefan machte sich locker. Zwar ließ er noch ganz nebenbei fallen, dass er sich gerade „privat“ ein Grundstück am neuen Tiger Woods-Golfplatz in Dubai gesichert hatte, doch er lud mich auch sofort zur Platzeröffnung ein, was ich dankend annahm. Bin gespannt, ob diese Luft heißer war als der Wind aus der Wüste, journalistisch gesehen wäre es pures Gold.

Ich bedankte mich mit zwei lupenreinen Birdies am Stück und legte am folgenden Loch meinen Ball fast tot an den Stock. Wenn ich nun noch konstant putten könnte, die drei Birdies am Stück wären locker Geschichte gewesen (Grüße an Nicolai).

Am Ende stand da eine 79 auf der Karte inkl. einem Double Bogey auf der 18. Ich habe zudem nicht einen Cent im Montgomerie gelassen, obwohl ich großes Golf gespielt und am Ende auch noch schön einen im Tee hatte. Ein weiteres gutes Omen für die Reise.

 

 

Sonntag

„13 Stunden 50 Minuten“, so lang würde der Flug von Dubai nach Sydney sein, dies versprach der Flugplan. An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei Emirates Airlines für das fantastische In Flight-Entertainment-System bedanken. Über 500 Kanäle mit Filmen usw. lassen die Zeit wirklich rumgehen, ich habe zwischen „Hinsetzen, Anschnallen, Fernseher an“ bis „Landen, TV aus“ exakt 9 Streifen geschafft, das muss doch irgendein Rekord sein? Waren allesamt brandneu und auch fast durchgehen gut, zudem habe ich mir dadurch gut und gerne 20-30 Euro Videotheken-Ausleihgebühr gespart. Neben mir saß übrigens ein osteuropäisches Top-Model, das allerdings ein bisschen arg „blond“ war und sich fast durchgehend mit einer Cremedose, einem Lipgloss und einem Handspiegel zu unterhalten wusste. Schön, dass es noch so genügsame Menschen gibt.

In Sydney erwartete mich das nächste Highlight, mein Mietwagen. Was für ein Auto möchte man gerne unter den Hinter geschoben bekommen, wenn man völlig übernächtigt in einem Land aufschlägt, in dem links gefahren wird und man zudem vorm finalen Kollabieren erst noch sein Hotel in der Innenstadt einer Weltmetropole aufzuspüren hat, in der gerade morgendliche Rush Hour herrscht? Genau, einen metallicgelben Toyota-Boliden aus „The Fast and the Furious“ mit Spoiler, Rennfelgen und tiefergelegtem Fahrwerk. Ich hoffe, ich schaffe es, ein Foto hoch zu laden, das Teil müsst ihr sehen. Dank TomTom schaffte ich es dann auch in das Best Western Hotel und suc he mir jetzt im Internet einen netten Golfplatz für morgen Vormittag zum Akklimatisierten, bis dann am Mittwoch der eigentliche Road Trip in Richtung Melbourne-Tasmanien-Cairns-Sydney losgeht. Bis dahin!
13.11.07 14:27
 


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