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Webnews







Vorbereitung

Moinsen bei meinem großartigen Weblog.

Um einen ordentlichen Reisebericht für unser kleines Familienmagazin GolfPunk zu kreieren, bin ich (fast) schon auf dem Weg nach Sydney, wo ich ganz derbe durch Australien Road-Trippe. Nur mit einem Navi, einem Golfbag und einer AMEX-Karte ausgerüstet werde ich den Kontinent golferisch erobern.

Davor allerdings lande ich in Dubai zwischen und spiele den legendären Montgomerie-Platz, einen Golfplatz in der Wüste designt von uns aller Lieblings-Knarzonkel Monty.

Ob ich in einem Stück zurückkomme, warum ich überhaupt vier Wochen von Frau und Hund getrennt durch ein warmes Land reisen muss, dass gespickt ist mit den großartigsten Golfverlustigungsarealen der Welt lest ihr im nexten Blog, dann garantiert auch ohne Ümläüte!

Götz

Chef

GolfPunk

7.11.07 12:17


Montys Zerstörung & Fast and the Furious

Dubai + Sydney Ankunft

(Sydney , 13.11., 23.20, Best Western Motel, doch mit Umlauten)

Machen wir uns nix vor, der Flug von Deutschland nach Australien ist so unglaublich lang, dass man unbedingt einige Vorkehrung treffen sollte, um bei geistiger Gesundheit zu bleiben:

 

 

  1. Flieg auf keinen Fall den gesamte Weg am Stück
  2. Nimm niemals einen Nachtflug
  3. Wenn schon Holzklasse, dann auf keinen Fall Thai, British, Lufthansa oder Quantas (oder jede andere Fluglinie aus Emirates)
  4. Buche unbedingt einen Gangplatz oder wenn man einen Stelzenläufer (Hi Lele) dabei hat, dann unbedingt die Notausgangssitze anfragen(nach Möglichkeit nicht die neben den Toiletten)
 

 

Nach entspannten sechs Stunden kam ich gegen 23.30 abends in Dubai Airport an. Da ich die vorletzte Reihe im Flieger fast allein bevölkert hatte, kam ich auch dementsprechend spät aus dem Vogel raus und stolperte mitten rein in eine spontane internationale Völkerwanderung. Nicht vier, nicht acht, nein 12 Großraummaschinen warten zwischen halb und um Zwölf gelandet und bei der Passkontrolle bildeten sich so lange Schlangen vor den weiß einge“scheicht“en Kontrolleuren, dass die hinten stehenden Passagiere nur vom Hörensagen erfuhren, dass dies wirklich nur die Dokumentenabstempelstation sei und man hier nicht um Gratis-Hotelgutscheine im 7*-Burj-Al-Arab anstand.

Exakt 100 Minuten nach Landung gab es auch schon das Gepäck und ich war mir sicher, mein Hotelshuttle musste weg sein (natürlich wählte ich wie immer bei der Passkontrolle mit traumwandlerischer Sicherheit den Schalter, an dem der langsamste Grenzer im gesamten Mittleren Osten seinen Dienst verrichtete, denn sogar die gehbehinderte Dame die im Flieger zwei Plätze weiter saß überholte mich locker). Aber in der Eingangshalle schwenkte dann wirklich ein schnauzbärtiger Pakistani ein Schild mit meinem Namen und bat mich, doch noch fünf Minuten Geduld aufzubringen. Ich nahm zwischen einer Gruppe Ossis aus Dresden und Leipzig Platz, die mich darüber aufklärten, dass ihre „fünf Minuten Geduld“ nun schon über eine halbe Stunde andauerten. Mir war das jetzt auch egal. Ich war in Dubai, mein Gepäck auch, der Driverschaft war noch in einem Stück und als ich gerade am Eindösen war, vermeldete mein Fahrer seine Bereitschaft, mich und eine Gruppe Inder ins Coral Oriental Hotel zu fahren (falls jemand das Haus in der Top 10 der „Best Hotels in Dubai“ sucht, es befindet sich eher jenseits des Platzes 500).

Exakt um 2.23 öffnete ich die Zimmertür (Nr. 305) und nachdem ich die freudige Nachricht gen Heimat gefunkt hatte, schaltete ich wie immer im Hotel als erstes den Fernseher ein und zappte durch die Kanäle. „Arabische Tänze“, „Arabische Diskussionsrunde“, „Arabisches Wer wird Milliardär (Millionär sind hier in Dubai die meisten Einwohner eh schon)“ und dann plötzlich „ZDF Sportstudio“ exakt in der Sekunde, als die Bundesliga-Zusammenfassung begann. Was für ein perfektes Omen für meinen Trip? Dank dieses positiven Energieschubs konnte ich wenigstens halbwegs gefasst ertragen, wie Stuttgart meine Bayern abschoss. Aber mal ehrlich, wie hoch sind die Chancen, das so etwas passiert? Die ewige Warterei am Flughafen, ein x-beliebiges Mittelklasse-Hotel, genau ein deutscher Sender und diesen dann auf den Punkt eingeschaltet. Allah war mit mir, soviel stand fest. Allerdings nur bis 4.30 morgens.

„Mmmmmaaaalllllllaaaaaaahhmmmmaaaackbaaaahhrrrraaaaarrrrmaaaaalllllaaaaaaaaaaaaahhhhhhmackkbaaaarahhhharharharharhar...“

Der Muezzin stand quasi neben meinem Bett, das verdammte Minarett mit seinem 10.000 Watt Lautsprechern befand sich in Lobwedge-Reichweite auf der anderen Straßenseite und die Fenster waren so schalldicht wie zwei Lagen Butterbrotpapier. Immer und immer wieder tönte der Ruf an die frommen Moslems durch die Nacht. Meine innere Uhr war ja noch auf deutsche Winterzeit eingestellt, also gefühlte 01.30 und hätte ich einen Gürtel mit ein paar übrig gebliebenen Chinakrachern vom Vorjahr gehabt, ich wäre rübergegangen und hätte einen internationalen Zwischenfall provoziert.

Völlig gerädert (und eine weitere Gesangsnummer gegen 7.00 später) wankte ich zehn Minuten vor Schließung des Frühstücksbuffets in den Speisesaal. Nach der Begutachtung der spärlichen Überreste eines einstmalig sicher üppigen Angebotes packte ich meine Golfsachen und fuhr zum Montgomerie Golf Club ins neue Dubai (mein Hotel befand sich in der „Altstadt“, die Gebäude sind also älter als zehn Jahre...) um mitten in der Wüste einen Platz aus der Feder des sympathischen Golfpsychopathen aus Schottland, Colin „007 Iron“ „Monty“ Montgomerie zu spielen. Der Manager des Hotels hatte mich netterweise nach meiner aufdringlichen E-Mail zu einer kostenlosen Runde eingeladen und mir in der Nachricht versprochen, ich würde mit einem Member und seinen Gästen spielen. Der Member hieß Stefan aus Hamburg, ein Yuppie-Poser reinsten Wassers mit seiner Frau Mutter Maren und seinem Kumpel Siggi. Stefan und Siggi benahmen sich so inszeniert überzogen, dass ich anfangs kaum glauben konnte, zwei derartige Witzfiguren vor mir zu haben. Siggi belaberte mich bis ca. drei Löcher vor Schluss immerzu und penetrant in blassiertem Oxford-Englisch, obwohl er doch ursprünglich aus Essen kommt und Siggi warnte mich kumpel- und gönnerhaft vor den allzu lockeren Sprüchen der beiden Geldadeligen. Als Siggi dann nicht einmal den Satz „Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“ („Ein Huhn...findet...ein blindes...ach ne, wie war das?" auf die Reihe brachte und die beiden zudem Golf spielten wie mein Hund Blitzschach, war die Stunde des GolfPunks gekommen. Nach neun Loch lag ich vier Schläge über Par, was auf dem extrem hügeligen und mir völlig unbekannten Platz eine echte Meisterleistung war. Dementsprechend ruhig wurde es und ich inhalierte statt der lässig angebotenen Fruchtbowle lieber Bier. Dass dieses dynamische Duo die Drinks im Clubhaus würde zahlen müssen war klar, doch plötzlich schlug die aufgeblasene Stimmung um und vor allem Stefan machte sich locker. Zwar ließ er noch ganz nebenbei fallen, dass er sich gerade „privat“ ein Grundstück am neuen Tiger Woods-Golfplatz in Dubai gesichert hatte, doch er lud mich auch sofort zur Platzeröffnung ein, was ich dankend annahm. Bin gespannt, ob diese Luft heißer war als der Wind aus der Wüste, journalistisch gesehen wäre es pures Gold.

Ich bedankte mich mit zwei lupenreinen Birdies am Stück und legte am folgenden Loch meinen Ball fast tot an den Stock. Wenn ich nun noch konstant putten könnte, die drei Birdies am Stück wären locker Geschichte gewesen (Grüße an Nicolai).

Am Ende stand da eine 79 auf der Karte inkl. einem Double Bogey auf der 18. Ich habe zudem nicht einen Cent im Montgomerie gelassen, obwohl ich großes Golf gespielt und am Ende auch noch schön einen im Tee hatte. Ein weiteres gutes Omen für die Reise.

 

 

Sonntag

„13 Stunden 50 Minuten“, so lang würde der Flug von Dubai nach Sydney sein, dies versprach der Flugplan. An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bei Emirates Airlines für das fantastische In Flight-Entertainment-System bedanken. Über 500 Kanäle mit Filmen usw. lassen die Zeit wirklich rumgehen, ich habe zwischen „Hinsetzen, Anschnallen, Fernseher an“ bis „Landen, TV aus“ exakt 9 Streifen geschafft, das muss doch irgendein Rekord sein? Waren allesamt brandneu und auch fast durchgehen gut, zudem habe ich mir dadurch gut und gerne 20-30 Euro Videotheken-Ausleihgebühr gespart. Neben mir saß übrigens ein osteuropäisches Top-Model, das allerdings ein bisschen arg „blond“ war und sich fast durchgehend mit einer Cremedose, einem Lipgloss und einem Handspiegel zu unterhalten wusste. Schön, dass es noch so genügsame Menschen gibt.

In Sydney erwartete mich das nächste Highlight, mein Mietwagen. Was für ein Auto möchte man gerne unter den Hinter geschoben bekommen, wenn man völlig übernächtigt in einem Land aufschlägt, in dem links gefahren wird und man zudem vorm finalen Kollabieren erst noch sein Hotel in der Innenstadt einer Weltmetropole aufzuspüren hat, in der gerade morgendliche Rush Hour herrscht? Genau, einen metallicgelben Toyota-Boliden aus „The Fast and the Furious“ mit Spoiler, Rennfelgen und tiefergelegtem Fahrwerk. Ich hoffe, ich schaffe es, ein Foto hoch zu laden, das Teil müsst ihr sehen. Dank TomTom schaffte ich es dann auch in das Best Western Hotel und suc he mir jetzt im Internet einen netten Golfplatz für morgen Vormittag zum Akklimatisierten, bis dann am Mittwoch der eigentliche Road Trip in Richtung Melbourne-Tasmanien-Cairns-Sydney losgeht. Bis dahin!
13.11.07 14:27


Fee-Loading – Der Kampf ums Reisebudget

(14.11.07, Philip Lodge Motel)

Der erste Golfplatz in Australien war gleich ein absolutes Highlight. St. Michael’s Golf Club New South Wales ist ein knüppelharter Links-Course, der immerhin der Top-Proette Laura Davies bei einem Besuch den persönlichen Rekord von sechs verlorenen Bällen einbrachte, ich beklage den Verlust von “nur” fünf Spielgeräten.

Ich werde nach diesem Trip der Firma TomTom einen Dankesbrief schreiben müssen, das Gerät führte mich mit traumwandlerischer Sicherheit quer durch die Vororte von Sydney an die raue Küste, wo mir eine heftige Briese sowohl das Grinsen aus dem Gesicht als auch die Aussicht auf eine weitere Rekordrunde weg wischte. St. Michael’s verzeiht keine Fehler, hat fast nur blinde Schläge im Programm und ist mit einem mörderischen Jetlag fast unspielbar. Trotzdem werde ich den Platz jedem GolfPunk-Leser wärmstens empfehlen, da man hier sofern der Wind wie heute gnadenlos landeinwärts bläst, wirklich die Grenzen des eigenen Spiels aufgezeigt bekommt. Den Driver kann man eigentlich fast zu Hause lassen, ein sicheres langes Eisen vom Tee ist die halbe Miete, mir hat das allerdings niemand gesagt. Jeder Abschlag schüchtert unweigerlich ein, denn zwischen Teebox und Fairway befinden sich Bäume, Büsche oder man sieht schlicht überhaupt nicht wo es hingeht. Ein absoluter (Alb)-Traum, hier wird Golf zum Denksport und das einzige Birdie des Tages war deshalb auch ein echter Grund zum Feiern. Meine Mitspieler waren zwei Profi-Pokerspieler aus Irland und ein Mitglied des Clubs, das genug Ladies schlug, um für alle Drinks aufkommen zu müssen.

Bei der Anmeldung im Pro-Shop genügte die Erwähnung des Namens „GolfPunk“ sowie eine  kurze Präsentation des Mags und schon gab es ein Freispiel sowie gute Wünsche oben drauf. Ich bin gespannt, wann ich das erste Mal auf Granit beiße wenn es darum geht, die ca. 100-200 Dollar (1 € = 1.6 Aussie-$) einzusparen, ich tippe auf Royal Melbourne. Bis dahin ist das Greenfee-Loading meine neue Lieblingssportart und fast spannender als das eigentliche Spiel.

Mein Flug nach Tasmanien steht auch schon, am 20.11 geht es rüber auf die Insel. Morgen heißt es dann „Start für den Road Trip“. Ich will wenigstens bis Ulladulla kommen, das liegt 250 Kilometer im Süden und da gibt’s einen Strand mit niedlichen Mini-Kangaroos und massenhaft gute Motels. Bin gespannt, wo ich dann wirklich lande.

Soviel von hier unten. Gute Nacht!

14.11.07 11:47


Der Herr der Fliegen

Sydney – Ulladulla – Eden – Lakes Entrance
15.-17.November 2007
Bellevue Motel Lakes Entrance
 

Wo waren wir? Zuletzt befand sich der Held unserer Reise auf einem Links-Platz vor den Toren Sydneys und fuhr dann in Richtung Melbourne weiter. Australische Landstraßen sind eng, kurvenreich und die ersten Kangaroos, die ich gesehen habe, fielen leider unter die Kategorie „Roadkill“.

 

Den Ort Ulladulla kenne ich noch von meiner ersten Autralien-Reise 2002. Es ist ein kleines schönes Städtchen am Meer ohne großartigen Wiedererkennungswert außer dem lustigen Namen, der sich unvergesslich im passiven Hintergrundgedächtnis ablegt. Der Road Trip wurde dank Lele großartiger Soundtrack-Vorselektion während der Golf-WM in Myrtle Beach von Klängen der „Fetten Beats“ sowie der grandiosen Band „Me 1st & the Gimmie Gimmies“ untermalt, trotzdem schlug mir der Anblick eines gerade spektakulär von einem riesigen Truck dahingemetzelten ausgewachsenen Beutelhüpfers massiv auf die Laune. In Ulladulla wählte ich deshalb eine im Verhältnis zu den bislang kennen gelernten Motels dekadente Unterkunft, die Bannisters Lodge mit Whirlpool im Zimmer und Wellness-Oase.

 Der Spaß kostete in der Nebensaison keine 100 € und der angrenzende Golfplatz Mollymook GC, den ich rein zufällig ausgemacht hatte, befindet sich zudem in der Top 100 der besten Aussie-Plätze auf Rang 97 und kostete ganze 12 € Greenfee (da fragt man nicht mehr nach einem Freispiel)!

 

eines sumpfigen Waldgebietes begegnet man auf den hügeligen und engen Spielbahnen sehr großen Eidechsen, enorm fetten Spinnen und völlig überdrehte und unglaublich aggressive Fliegenschwärme, die wohl die erstgenannten Kreaturen sehr gut zu ernähren scheinen. Da ich erst nach drei Bahnen auf ein paar Locals stieß, musste ich bis dahin völlig ungeschützt gegen einen gigantischen Fliegenschwarm kämpfen, der quasi sekündlich anschwoll. Man kann es sich nur schwer vorstellen, wenn man es nicht erlebt hat. Es ist in etwa so, als würde man als Tokio Hotel verkleidet während der großen Pause im Schulhof einer Mädchenschule abgeseilt werden, nur dass es eben widerliche Fliegen und keine in Clerasil-Wolken gehüllte Teenager sind, die einem zu Leibe rücken. Die Einheimischen halfen mir mit einem Mittel aus, dass so aggressiv war, dass es sogar den Aufdruck der Golfbälle wegätzte, die Fliegen ließen sich davon jedoch allenfalls marginal ausbremsen und nach einer halben Stunde muss man das Spray erneut auftragen. (Der Viertelliter Autan, den ich zudem über mich gegossen habe, hat die Viecher eher zu Beifallsstürmen hingerissen).

Falls sich jemand fragt, was mit der Ozonschicht über Australien passiert ist, ich habe die Antwort. Jeder Aussie benutzt dieses treibgashaltige Rattengift exzessiv an Kleidung und Extremitäten. Angesichts der biblischen Fliegenplage im November und Dezember wird hier überall exzessiver gesprayt als in der Garderobe von Mötley Crüe vor einem Konzert.

Gutes Golf kann man dank der nervigen Insekten genauso vergessen wie vegetarische Lebensgewohnheiten. Wer hier staunend mit offenem Mund herumsteht, kann sich wenigstens das Mittagessen weitestgehend sparen...

Samstag hatte ich großes Glück. Ich bemerkte, dass ich mich mit der Entfernung leicht verschätzt, denn meine nächste Station Lakes Entrance befand sich doch noch über 350 Kilometer südlich und auf vier Stunden Autofahrt hatte ich angesichts des perfekten Wetters keine Lust. Der einzige Golfplatz auf meiner Route befand sich in einem nahe gelegenen Örtchen namens Eden, doch dort spielte man gerade das größte Turnier des Jahres, die Eden Open, weshalb der Platz für Besucher eigentlich geschlossen war. Ich erschien als das 140-Mann-Turnier schon voll im Gange war im Büro des Clubs. Ohne große Hoffnung fragte ich nach, ob ich vielleicht noch mitspielen könnte. In Deutschland wäre diese Anfrage völlig aussichtslos, da man hier am Tag vor einer großen Veranstaltung die Meldelisten zumacht und gut ist es. Aber in Australien wird alles etwas lockerer gesehen und schnell kritzelte der Spielführer auf das große Plakat über die Aufschrift „Eden Open“ ein „International“ und ich war dabei. Natürlich befindet sich auch der Eden Garden unter den besten Plätzen des Landes,  irgendwie scheine ich für so etwas ein Händchen zu haben, gibt’s doch in Australien und Tasmanien fast 1000 Anlagen.  Der Platz ist ein schöner Parkland-Kurs mit viel Wasser, elend schnellen Grüns und einer wirklich beeindruckenden Kangaroo-Dichte. (Mache hier Schluss wg. akuter Müdigkeit, Fortsetzung folgt).

 

  

18.11.07 11:18


St. Andrews Light

18-20.11.2007
Melbourne Airport, Terminal 3, Gate 6

(Hochgeladen am 24.11., habe keine Online-Verbindung in Tasmanien gehabt)

In Eden bzw. Lakes Entrance habe ich zwei Tage verbracht und auch das obligatorische Golftouristen-Foto machen können, also „Götz im Vordergrund, einige nicht weniger dümmlich dreinschauende Kangaroos im Hintergrund“. Golferisch habe ich mich langsam an die krasse Zeitumstellung gewöhnt. In Lakes Entrance, einem bekannten Küstenstädtchen, das zwischen Binnenseen und der Meeresküste liegt, kam ich dann endlich erstmals in Australien auch wieder unter 80 (79), und das auf einem wirklich nicht einfachen Platz mit Links-Charakter (Platz 75/ Top 100, 15 € Greenfee).

Gestern, am 19.11. fuhr ich von Lakes Entrance nach Melbourne, besser gesagt zum Victoria Golf Club, der sich auf Platz 10 der Top 100 befindet und auf dem schon zweimal die Australian Open ausgetragen wurden. Der Platz ist sprichwörtlich auf Sand gebaut und ist eine einzige Hommage an St.Andrews. Unzählige Topfbunker, raues Gelände und blitzschnelle Grüns dafür allerdings relativ wenig Länge sind die Hauptmerkmale, meine 82 beinhaltete wenigstens 40 Putts, was mich ziemlich ärgerte, denn das lange Spiel ist endlich wieder auf dem Niveau, wie ich es in den letzten Monaten kannte. Die knapp 40° Celsius auf dem Platz mögen eine Entschuldigung für das grausame Putten sein, dafür gab es hier deutlich weniger Fliegen.

Die Einladung, in dem Clubhaus-Hotel zu übernachten schlug ich aus, denn der Flughafen, von dem aus ich am 20. November in Richtung Hobart, Tasmanien fliege, liegt über eine Autostunde entfernt und das wäre mir morgen (heute) früh einfach zu knapp.

 

Dieser Road Trip ist, wie ich im Vorfeld betont habe, für mich eher eine Sache des inneren Geschehens. Viele der Ereignisse oder Erkenntnisse der Reise kann ich deshalb nicht einfach in diesen Blog einbinden, dazu sind sie einfach zu privat bzw. kaum verbal auszudrücken. Golf und Autofahren sind nur der Katalysator, um eine Reise ins Ich zu unternehmen. Das dies nicht immer angenehm sein muss, war mir vorher schon klar gewesen.

Das teilweise recht einsame Umherreisen drückte mir zuweilen schon etwas auf die Stimmung, was angesichts des tollen Wetters in Deutschland etwas undankbar erscheinen mag. Diese Art des völligen Solo-Trippens ohne Agenda ist definitiv nicht „my cup of tea“. Es mag sich theoretisch recht abenteuerlich und reizvoll anhören und für manchen Zeitgenossen auch die optimale Art des Reisens sein, ich bin der Kurzzeit-Freundschaften, der täglich wechselnden Hotels und Motels sowie des Gefühls, immer etwas verpasst zu haben schnell leid geworden. Allerdings scheint die höhere Macht, die ihre schützende Hand über mich hält, alles tun zu wollen, um mir meinen Trip so angenehm wie möglich zu gestalten. Bislang habe ich immer ein optimales Motel für wenig Geld gefunden, jeder Golfplatz den ich ohne Plan angesteuert habe, war ganz objektiv laut  Golf Digest Australien der beste Platz der jeweiligen Region, hatte ich Appetit auf Thai-Küche oder einen guten Inder fand ich sofort Restaurants in der verlassenen Einöde, die meist auch noch auf irgendeiner Top-Liste vertreten waren und unglaublich leckschmeckriges Essen zu servieren wussten. Suche ich in einer Kleinstadt nach einem gemütlichen Frühstückscafe, einem vegetarischen Restaurant oder einer Bar mit deutschem Bier, in der die Qualifikation zur Fußball-EM laufen sollte, ich stolpere quasi im nächsten Augenblick hinein. Das auf den meisten Hotelzimmer-TVs sogar noch „Deutsche Welle“ lief, empfand ich dann letztlich doch als leicht übertrieben.

Diese kleinen aber seltsamen Fügungen gingen und gehen zuweilen so weit, dass ich an einem Abend im Zimmer saß und aus irgendeinem Grund über den Film „Lady in the Water“ von M. Night Shayalalarifari nachdachte. Einige Minuten später schaltete ich den Fernseher ein und genau wie das Sportstudio in Dubai fing just gerade in diesem Augenblick der Film an. Hallo? Wie geht das denn?

Das empfand ich als genauso bizarr wie meinen Spaziergang in der Innenstadt von Melbourne. Ich hatte meinen Gedanken, „...ich würde gerne einen DVD-Laden finden...“ kaum zu Ende gedacht, da materialisierte sich ein gigantischer Virgin Megastore keine 50 Meter von mir entfernt, der auch noch genau den Film führte, von dem ich am Vortag erst in einem Magazin gelesen hatte. Dann wollte ich gerne den Platz wiederfinden, an dem Rabea und ich 2002 gewesen waren und eine besondere Jacke gekauft hatten, natürlich stand ich schon drauf, nur auf der anderen Straßenseite.

Ich buche deshalb auch nichts mehr im Voraus, da ich jetzt wirklich gespannt bin, ob mein Reiseglück in dieser Form anhält. Später werde ich beim Royal Melbourne Golf Club anrufen und checken, ob ich dieses Augusta Australiens spielen darf, wenn ich hier auch noch eingeladen werde, kaufe ich mir umgehend ein Lotterie-Ticket!

Heute morgen sitze ich am Flughafen Melbourne und schreibe diesen Text auf meinen vom Laptop nun gut gewärmten Knien. Die nächsten sechs Tage werde ich durch Tasmanien streifen, der Insel, die angeblich sehr stark an mein geliebtes Neuseeland erinnern soll. Deshalb werde ich meine Golfaktivitäten hier etwas zurückschrauben und stattdessen den einen oder anderen Natur-Treck mitmachen. Ich beabsichtige, einmal um die Insel herum zu fahren und habe mir bei der Mietwagenfirma extra wieder ein Heckspoiler-Monster bestellt, wie ich es in den letzten Tagen gefahren bin. Vielleicht kaufe ich mir irgendwo noch einen Fuchsschwanz...

Bis dahin!

24.11.07 00:06


Tassi – First class entertainment

20-25.11.

(26.11. Best Western Atlantis Hotel, Melbourne)
 

Der Flug nach Tasmanien war die Hölle. Die 737 hob schon stark schwankend in Melbourne ab, jagte dann auf 11.900 Meter (aus welchem Grund auch immer)  und ca. 10 Min. vor der eigentlichen Ankunftszeit fiel wohl auch dem Kapitän auf, dass dies verdammt hoch ist und wir langsam mal runter sollten. Sagte ich langsam? Mit affenartiger Geschwindigkeit zog unsere Maschine plötzlich nach unten. Auf der Landschaftsgrafik im Sitz-TV fielen wir ca. 100-200 Meter pro Sekunde und waren schon nach kaum mehr als einer Minute auf 4.000 Meter. Dann allerdings türmte sich vor bzw. unter uns eine gewaltige Wolkenwand auf. Wir streiften diese kurz und schon begann eine turbulente Achterbahnfahrt. Eine Stewardess legte sich aufgrund des plötzlichen Wegsackens lang, so etwas in der Art habe ich dann auch noch nicht gesehen. Der Flugzeugfahrer hatte ein Einsehen und zog wieder etwas hoch. Dann, fast über Hobart Flughafen wurde diese Wolkendecke endlich von einer dichten Dunstwand abgelöst. Die Maschine sackte sofort und anscheinend geplant ab und fiel innerhalb von knapp 15 Sekunden von 4.000 auf 1.000 Meter. Keine Frage, unser Pilot hatte es eilig!  Das sein heftiges Manöver allerdings nur Mithilfe der ausgeklappten Landeklappen ermöglicht wurde war für mich eine neue Erfahrung. Diesen fürchterlich lauten Heulton, den diese erzeugten habe ich so in einem Flugzeug noch nicht gehört. Außerdem schwankte die Maschine jetzt heftigst und als dann selbst der abgewichsteste Geschäftsmann schräg vor mir die Zeitung nervös einfaltete, merkte ich, dass dies zwar sicher noch im Rahmen war aber sich dich eher am Rande dessen befand, was man als Vielflieger so in der Luft geboten bekommt. Ein gewöhnlicher Landeanflug verhielt sich zu unseren Absackern und ruckartigen Gasgeben wie ein Gleiten mit einer S-Klasse über eine gerade frisch asphaltierte Autobahn zu einer Schotterpistenrallye mit großbereiften Geländetrucks. Ich habe meine Flugangst schon vor Jahren abgelegt, aber „cool“ sieht sicher anders aus. Ich transpirierte fröhlich in mein Taschenbuch und hätte sicher auch zum Glauben zurückgefunden, wenn wir nur noch fünf Minuten länger im Nebelkorridor geblieben wären. So aber ballerten wir mit einem unfeierlichen finalen Absacker auf die Landebahn und eine halbe Stunde später wankte ich noch zugedröhnt mit Adrenalin zu meinem Mietwagen, einem Toyota Geländewagen.

Mein Navi sagte mir, dass ich von der Südküste der Insel, wo ich mich befand, bis zum nächsten Nationalpark, die hier mehr oder weniger alle zum Weltnaturerbe gehören, ca. zwei Stunden brauchen würde. Ich übernachtete in einem Nest namens Leicester, spielte am morgen den lokalen 9-Loch-Kurs, einen beschaulichen Wald- und Wiesenplatz für umgerechnet 6,50€ Greenfee für eine Tageskarte und fuhr dann zum Cradle Mountain Nationalpark.

Da ich ja ohnehin am Tag ca. 8 Kilometer zu Fuß ging, wählte ich am Fuß des Cradle Mountain einen 15 Kilometer-Rundmarsch um einen See zu einen Pfad namens Snake Road über den Wombat Place zurück zum Auto. Eine Stunde später befand ich mich auf halber Höhe zum Gipfel auf einem unbeschreiblich schönen Bergpass zwischen zwei Bergseen, keine Menschenseele weit und breit und beobachtete ein Beuteltier, das aussah wie ein zu kleiner Wombat oder ein zu großes Murmeltier. Später erfuhr ich, dass es genau das war, ein Bergwombat. Beim Abstieg brach ich mir einige Male fast den Hals, sah unzählige Eidechsen, Mini-Drachen und stieß in einem Wald, der in jeglicher Hinsicht be-„zaubernd“ war auf den surrealsten gelben Langnasen-Igel den ich je gesehen hatte. Das Kerlchen grub blöd mit der Nasenschnauze im lockeren Waldmoos herum, torkelte dabei tapsig durch die Botanik, fiel zweimal über einen umgefallenen Baumstumpf, was ihn aber ebenso wenig störte wie den Golfpunk, der neben ihm hektisch die Kamera klicken ließ.

Völlig geplättet von der Golfrunde und dem Wandertag fiel ich in mein Auto und riss auch noch die 300 Kilometer über Serpentinenstraßen und schmale Motorways runter, um dann endlich kurz vor Lichtschluss in Barnbougle Golf Links anzukommen.

Barnbougle! Befindet sich am wahrhaftigen Anus der Welt, am äußersten Rand der Insel Tasmanien beim Örtchen Briport, das niemand kennen muss. Irgendwann hat der Golfarchitekt Tom Doak dieses Gelände zu Gesicht bekommen und daraufhin den Landwirt Richard Sattler von der Idee überzeugt, sein total unfruchtbares Sanddünengelände am einsamen tasmanischen Strand für einen Golfplatz zur Verfügung zu stellen. 2004 war der Platz fertiggestellt, 2007 wurde er schon auf der Top 100 der schönsten Plätze der Welt auf Platz 35 geführt bzw. auf Platz 7 der schönsten Public Courses der Welt.

 

 Und um es mal ganz klar zu sagen, wäre dieser Platz in St. Andrews, Monterey oder auch nur in Melbourne angesiedelt, er wäre locker in den Top 10. Ähnlich wie Kauri Cliffs in Neuseeland ist dieses Juwel einfach zu weit ab vom Schuss, um zu den ganz Großen zu gehören. Aber was für ein Platz! Links-Golf auf einem Niveau, das selbst Carnoustie, Kingsbarnes oder den St. Andrews Links Trust vor Neid erblassen lassen würde. Spielbahnen die aus rohster Sandmasse heraus gemeißelt wurden, Bunkerkanten von bis zu gemessenen 20 Metern Höhe, Grüns so schnell wie Eisflächen und so heftig onduliert wie Pamela Anderson im Bandeanzug. Holy Shit!

Mein sprichwörtliches Glück fügte es, dass ich auf der Driving Range eine Gruppe Australier aus Melbourne auftat, die eigentlich vier 4er-Flights für ihren Ausflug zusammengestellt hatten, aber ein Hoschi ist in letzter Sekunde abgesprungen. Also war ich nun der 16. Mann, wurde sofort adoptiert, mit Drinks versorgt zum Essen und am nächsten Tag erneut zum Spielen auf diesem Traumplatz eingeladen. Mit Liz Sattler (Tochter des Eigentümers) stellte sich mir dann auch die mit weitem Abstand attraktivste Clubmanagerin vor, die ich je kennen lernen durfte, natürlich hatte sie nichts dagegen, dass ich noch eine weitere Nacht umsonst im Resort übernachtete, es war ja gerade eine Stornierung für das eigentlich hoffnungslos überbuchte Barnbougle eingegangen und als sie mir den beeindruckenden Weinkeller zeigte, aus dem ich drei Flaschen auswählen sollte, um „with the boys“ einen zu trinken, wusste ich, das den Golfgöttern mein Artikel aus dem letzten Heft wohl echt gut gefallen haben muss. Das ist hier doch alles kein Zufall? Diese Typen aus Melbourne waren natürlich alle Mitglieder in Kingston Heath (Nr. 2 in Australien), Moonah Links (Nr. 4 in Aus) oder Royal Melbourne (Nr. 1 in Australien) und schlugen sofort vor, nach meiner Rückkehr nach Melbourne Golfrunden auf diesen Privatplätzen klarzumachen. Dann wurde ich auch noch dem Besitzer (!) eines der exklusivsten Golfplätze Irlands vorgestellt (hab mit den Namen nicht gemerkt, befindet sich aber in den Top 50 der besten Privat-Plätze der Welt), der mich natürlich auch gleich noch nach Irland einlud (lebte 20 Jahre in Karlsruhe als Generalvertreter für Miele und ist Mercedes Benz-Botschafter für Irland. Außerdem, wie man mir zuflüsterte, ein „freaking fuckin’ billionar“. Deshalb habe ich auch in diesen zwei unglaublichen Tagen nur eine Gesamtrechnung von 16 Euro gehabt (für die Rundenverpflegung und eine Pitchgabel).

Das diese Einladungen alles keine hohlen Worte waren bewiesen mir die E-Mails, die ich schon von den Herren erhalten habe bzw. die Einladungen zum Golf und Abendessen. Da ich mit Tony, meinem neuen Freund in einem Flight und im Team spielte, revanchierte ich mich bei der zweiten Runde mit vier Birdies, davon zwei auf den beiden Schlussbahnen bei krassem Gegenwind. Mein Spiel befand sich an diesem zweiten Tag auf dem absoluten Höhepunkt, ich spielte bei extremen Windbedingungen eine 82, dabei eine „3“ auf jedem Par 3-Loch und die besungenen vier Birdies. Außerdem verlor ich an den beiden Tagen keinen Ball, was Gruppenrekord war. Selbst der Pro (der aussah wie Phil Mickelson! Ich schwöeer!) meinte, „Barnbougles is a fuckin’ 12 ball course“. (Der einzige Ball, den ich hier verloren geben musste, war peinlicherweise ein getoppter Bunkerschlag aus dem Übungssandhindernis vor der ersten Runde).

Am nächsten Tag ging es über Hobart zurück nach Melbourne. Hier fand ich ein perfektes Best Western Hotel in der zentralen Innenstadt, kaufte mir Tickets für das Musical „Spamalot“ von Monty Python am Dienstag und gab mich am Sonntag dem Konsumrausch hin. Fuck you, deutsche Ladenöffnungszeiten!

Heute am Montag wurde ich wie erwähnt von Tony nach Kingston Heath eingeladen, um mit einigen Members ein Turnier zu spielen. Wie ich den Turniersieg an einem einzigen Loch verloren, mich aber trotzdem in bleibende Erinnerung gespielt habe lest ihr morgen oder am Mittwoch. Ich muss jetzt in die Heia, denn morgen, am Dienstag, warteten die Moonah Links und bis dahin sind es zwei Stunden Autofahrt.

See ya, gals ’n’mates!
 
 
26.11.07 11:54





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